Sechs Wochen Hüttenleben auf der Essener-Rostocker Hütte
Schon seit einigen Jahren hatte ich den Wunsch, einmal selbst auf einer Berghütte zu arbeiten. Ich bin mit meinem Mann gerne in den Bergen unterwegs und wir die Essener-Rostocker Hütte von einer gemeinsamen Sektionsfahrt kennen und lieben gelernt haben, lag der Gedanke eigentlich nahe. Bei unserem letzten Besuch habe ich den Hüttenwirt Thomas einfach gefragt: „Kann ich eigentlich auch mal bei euch arbeiten?“ Und plötzlich wurde aus einer Idee ein konkreter Plan.
Mitte Juni war es dann so weit: Sechs Wochen Hüttendienst lagen vor mir. Ich wollte erleben, wie der Alltag auf einer Hütte wirklich aussieht – und vor allem ausprobieren, ob ich es schaffe, so lange von zu Hause weg zu sein. Heimweh hatte ich tatsächlich nicht, auch wenn ich meine Familie und Freunde natürlich vermisst habe. Und während ich oben war, wurde ich sogar noch einmal Oma – das Leben zu Hause ging also auch ohne mich weiter.
Der Alltag auf der Hütte ist ganz anders als zu Hause. Frühstück vorbereiten, Housekeeping, Küchendienst und natürlich vor allem der Gästeservice bestimmen den Tag. Dafür gibt es keine Termine, keine Verpflichtungen und kaum Ablenkung. Und wenn morgens der erste Kaffee auf der Terrasse mit Blick auf das Rostocker Eck getrunken wird, weiß man wieder, warum man hier ist. Dazu das Läuten der Kuhglocken am Morgen und manchmal die Gelegenheit, sogar die Ziegen zu melken – besondere Momente, die man so schnell nicht vergisst.
Trotz des manchmal großen Stresses war unser Team wie eine kleine Familie. Wir haben viel gearbeitet, aber mindestens genauso viel gelacht. Auch mit den Gästen ergaben sich viele schöne Gespräche. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein fast 90-jähriger Rostocker, der mit seiner Familie auf der Hütte zu Gast war. Er gehörte zu den ersten Rostockern, die nach dem Mauerfall im August 1990 wieder hier oben waren, und hatte viele spannende Geschichten zu erzählen. Wir haben uns sehr gefreut, ihm später sogar zu seinem 90. Geburtstag gratulieren zu können.
Es gab aber auch ganz stille Momente: Eine Wanderung ganz allein zum Rostocker Eck, ohne einem einzigen Menschen zu begegnen. Oder einfach nur der Blick in die Berge und die Ruhe um mich herum. Genau diese Ruhe werde ich neben dem tollen Team wahrscheinlich am meisten vermissen.
Ende Juli ging es wieder nach Hause. Ich habe mich sehr auf meine Familie und meine Freunde gefreut – und gleichzeitig fiel mir der Abschied von der Hütte und den Menschen dort schwer. Was bleibt, sind viele tolle Erfahrungen, Begegnungen und Gespräche und die Erkenntnis: Sechs Wochen Hüttenleben funktionieren für mich wunderbar. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich es wieder machen werde – vielleicht sogar einmal im Winter.
Und wenn mich jemand fragt, ob ich empfehlen würde, selbst einmal auf einer Hütte mitzuarbeiten, gibt es für mich nur eine Antwort:
IMMER!!!
Diana
