Gemeinschaftstour Sellrainer-Runde
Ende August 2026 begaben sich 4 Rostocker Alpinisten wie lange geplant auf eine einwöchige Hüttentour. Im Vorfeld gab es leider 3 Krankmeldungen, sodass die Gruppe etwas kleiner ausfiel, als ursprünglich geplant. Die erste Übernachtung lag gleich auf zweitausend Meter Höhe in der Dortmunder Hütte. Wir hatten die Unterkunft noch am Ankunftstag per Bus erreicht und konnten dadurch gleich ohne Anstrengung das perfekte Hüttenflair genießen inklusive alpenländischer Volksmusik. Am nächsten Morgen begrüßte uns in luftiger Höhe eine große Schar enthusiastischer Fahrrad-Sportler, von denen die ersten schon um 7:00 Uhr die Höhe von Kühtai/ der Dortmunder Hütte erreicht hatten. Für uns ging es zum Aufstieg auf die Finstertaler Scharte (2777m). Der alternative Weg über den Hochreichkopf ist seit einigen Jahren bedingt durch den Bau eines neuen Speicherbeckens gesperrt, sollte aber im nächsten Jahr wieder geöffnet werden. Tirol feiert heuer ;-) die Erweiterung des Speicherkraftwerks. Für uns war die alternative Route aber eine Entdeckung, da wir elegant den Weg zum Gipfel der Kraspesspitze (die heißt wirklich so) 2954m mitnehmen konnten- und dass am ersten Tag. (Bild 1) Nach einiger Übung gelang es dann auch einzelnen Mitgliedern der kleinen, aber feinen und sehr harmonischen Wandergruppe den Bergnamen so auszusprechen, dass es nicht mehr nach dem sehr ähnlich gelagerten Küchenbegriff der Kaspressknödel klang. Beglückt von der erfolgreichen Gipfelbesteigung am ersten Tag erreichten wir am Abend nach langem Abstieg die Schweinfurter Hütte.
Am Morgen begrüßte uns Regen, der aber pünklich um 8:00 Uhr zu seinem Ende kam, so dass uns eine wunderbare Wanderung zur Pforzheimer Hütte erwartete. Bild 2 und 3 Nach Rücksprache mit dem Hüttenwirt nahmen wir die schwierigere hochalpine Variante über das Fidaskar. Nach Erreichen des Jochs war dann das nächste Gipfelerlebnis, der Zwieselbacher Roßkogel 3081m, keine 20 Minuten mehr entfernt und wir konnten auch diese Herausforderung meistern. Die Aussicht ins Ötztal und bis zur Zugspitze war jederzeit fabelhaft. Mittagspause auf dem Gipfel, besser geht es nicht. Bild 4 und 5 Auf unserer dritten und längsten Tageswanderung zur Winnebachseehütte waren wir mit Pausen 8 Stunden unterwegs. Nach Aufstieg zum Gleirschjoch 2751m, Abstieg ins Zwieselbachtal und sehr langem Aufstieg zum Zwieselbachjoch 2868m Bild 6 hatten wir den schwersten Abschnitt hinter uns. Es war eine lange Wanderung im Geröllfeld, wobei aber große Wegstrecken sehr gut gebaut sind, so dass eine Schneise von plattenartigen Felsen durch das Geröll führt. Die Hütte ist von einzigartiger Landschaft umgeben. Bild 7 Unser nächstes Ziel das Westfalenhaus hatte aufgrund technischer Probleme einige Tage vor unserer Ankunft die Saison beenden müssen und war geschlossen. Wir fanden dankbar im Alpengasthof Lüsens, Teil eines alten Klosters, ein Ausweichquartier und waren nun wieder im satten Grün unterhalb der Baumgrenze auf 1634m. Preiselbeeren (Granten) und Blaubeeren (Moosbeeren) gab es dort in diesem Jahr reichlich.
Die nächste Wanderung zum Alpengasthof Praxmar erschien uns zunächst fast ein wenig kurz, aber nach den Anstrengungen der vergangenen Tage kam dies gerade recht. Wir haben dennoch wieder 600m im Anstieg und Abstieg bewältigt und konnten von oben auf dem Panoramaweg die Schönheit des Seitenastes des Sellraintales genießen. Neben der üppigen Vegetation waren wir auch Zeugen des beginnenden Almabtriebs und gerieten fast in eine Herde wilder Pferde. Am nächsten Tag begaben wir uns auf die letzte Etappe vom Alpengasthof Praxmar nach St. Siegmund. Wir hatten gar nicht damit gerechnet, wie schön es nochmal wird. Ziel war der Hausberg Freihut 2616 m Bild 8. Eine Einheimische hat uns auf dem Gipfel mit Blick nach Innsbruck erzählt, wie ihr Vater in den 70ern das Gipfelkreuz selbst den Berg hinaufgetragen hat und auch sonst haben wir alles über Tirol erfahren, was wir wissen wollten. Der Abstieg nach St. Siegmund im Sellrain-Tal war traumhaft schön. Glücklich und erschöpft konnten wir die Tour im nahen Innsbruck am Abend ausklingen lassen. Nach der Wanderung ist vor der Wanderung, das war allen Teilnehmenden sofort klar.
Steffen
